Normal? Verrückt?
- Ursel Newiger

- 6. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Was ist normal? Was ist irre? Wahnsinn? Verrückt?
Für die meisten Menschen ist das, was sie ihr Leben nennen, normal. Wenn etwas Unerklärliches geschieht, halten sie das für verrückt oder sogar sich selbst für irre, zumindest ein bisschen.
Aber was ist, wenn wir die Perspektive ändern? Wenn das, was wir für normal halten, der allgemeine Irrsinn ist? Und wenn das, was wir für verrückt erklären, das Normale ist? Für die meisten von uns ist das sicherlich eine absurde Vorstellung oder etwas, was nicht leicht zu verstehen ist – mit dem Verstand!
Was ist der normale Alltag?
Wir identifizieren uns mit unserer Vergangenheit, mit dem, was geschehen ist, was uns geprägt hat, welche Umstände uns geformt haben, in welchen Verhältnissen wir aufgewachsen sind, wie wir zu dem geworden sind, was wir sind oder wofür wir uns halten. Wir orientieren uns nach vorne, an eine Zukunft, die mehr oder weniger in der Ferne liegt, in der dann alles anders und vor allem besser sein wird. Das alles spielt sich in unseren Gedanken ab, die, verbunden mit unseren Emotionen, in Nanosekunden Signale, Kommentare, Vergleiche, Wertungen schicken, die uns nicht bewusst sind, die uns aber beeinflussen und unser Leben bestimmen.
Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle bezeichnet das, was wir für unser normales Leben halten, als Wahnsinn. Getrieben davon, Recht haben zu müssen und natürlich auf der richtigen Seite zu stehen, kämpfen wir gegen die anderen, wehren uns, gehen in den Widerstand. Durch diese Gedankenspirale entsteht Krieg, Zerstörung, Aufrüstung, Leid und Schmerz, im Großen wie im Kleinen. Ist das nicht Wahnsinn?
Halten wir jedoch inne, lauschen in uns hinein, nehmen bewusst unseren Atem wahr, dann sinken wir hinunter und öffnen uns für ein tieferes Bewusstseinsfeld, das in uns allen existiert und das unabhängig ist von unserer Geschichte. Wir öffnen uns im Innen und Außen einem grenzenlosen Raum, den einige als morphologisches Feld bezeichnen, in dem alle Energien und Schwingungen seit dem Urknall enthalten sind. Unvorstellbar?
In den letzten Wochen erlebte ich oft in Einzelbegleitungen, Kursen oder Gesprächen, wie plötzlich etwas wahrgenommen wurde, was eigentlich nicht "normal" ist. Die imaginäre Hand eines längst Verstorbenen streift den Arm eines Teilnehmers, flüstert Worte des Trostes. Sie berühren, Tränen fließen. Ein Hauch, ein Wind ist spürbar und verursacht vielleicht eine Gänsehaut, auf der Außenseite der Haut oder auch innerlich – alles möglich. Ein Freund versenkt sich in die Augen seines Gegenübers und sieht plötzlich Bilder aus einer Vergangenheit im Mittelalter, wo sie sich bereits begegnet sind. Irre?
Je öfter wir solche "verrückten" Erfahrungen machen, je mehr öffnen wir uns für alle Ebenen, die da sind. So geschehen Wunder. Manche nennen es Magie, Zauber. Unglaublich, aber wahr.
Wir dürfen diese Wunder annehmen. Sie sind eine Chance, uns selbst auf eine Weise zu erkennen, die nichts mit unserer Geschichte, unserem Ego, unseren Gedanken zu tun hat. Sie sind Geschenke, für die wir uns nicht bedanken müssen, denn sie geschehen einfach so. Wir nehmen sie wahr und halten inne – ohne etwas zu tun. Könnte das "normal" sein?
Ja.
Punkt.
1. Juli 2022





